Faszinierendes Kamerun
Meldorf – Es ist reich an Rohstoffen, aber arm an sozialer Gerechtigkeit. Es ist bunt und blühend, aber die Wasser- und Energieversorgung ist nicht immer ausreichend. Es ist modern und zukunftsorientiert, doch zugleich archaisch und fremd: Kamerun. Das zentralafrikanische Land steht dieses Jahr im Mittelpunkt des Weltgebetstags. Mit einem Workshop in Meldorf bereiteten sich Dithmarscherinnen auf die Liturgie vor.
„Ich freue mich, dass in diesem Jahr wieder fast 70 Frauen an den Werkstätten in Heide und Meldorf teilnehmen“, sagte Elisabeth Ostrowski, Referentin für Frauenarbeit im Evangelischen Regionalzentrum Westküste. Sie hatte den Tag gemeinsam mit ihrem Team vorbereitet und informierte umfangreich und professionell bebildert über das Land, seine Geschichte und seine Menschen.
Dabei erfuhren die Teilnehmerinnen, dass die Lebenserwartung in Kamerun nur bei durchschnittlich 52 Jahren liegt. Obwohl das Land die höchste Akademikerquote Afrikas hat, ist die Bildungsversorgung immer noch unzureichend: Trotz allgemeiner Schulpflicht werden nur 79 Prozent der Kinder eingeschult. Schuluniform und Lehrmaterial sind für viele Familien nicht bezahlbar. Frauen sind in Kamerun nicht erbberechtigt – Witwen haben darum oft einen sehr schweren Stand. Es gilt als Zeichen des Wohlstands, wenn ein Mann mehrere Frauen hat. Denn er zahlt Brautgeld für sie, je höher ihr Bildungsstand ist, desto höher ist auch ihr Preis.
Als Gast hatte das Leitungsteam Nadine Ngabomba eingeladen. Die Kamerunerin studiert zurzeit in Bremen Elektrotechnik. Sie beantwortete Fragen und gab einen persönlichen Einblick in das Leben ihrer Heimat.
Auch die Liturgie des Weltgebetstags, erstellt von Christinnen aus Kamerun, wurde vorgestellt. Besonders schön sind in diesem Jahr die Lieder: Sie sind schwung- und gehaltvoll und trotzdem leicht zu singen. Annegret Hansen stellte die Musik vor und begleitete die Veranstaltung am Flügel.
Aufmerksam verfolgten die Teilnehmerinnen die Ausführungen, weil sie überwiegend zu den Verantwortlichen gehören, die am 5. März die Weltgebetstagsgottesdienste in den Gemeinden gestalten. Sie werden dann, was sie gehört haben, weitergeben.
Text und Bilder: Inke Raabe
Eingestellt am 25. Januar 2010