Vulkan und zarte Seelen
Persönliche Freundschaft und gegenseitiger Respekt für das künstlerischen Schaffen der anderen – das verbindet seit Jahren die Nordhastedter Malerein Wiebke Kühl und die Heider Bildhauerin Gudrun Wolff-Scheel. Beide stellen ab jetzt ein halbes Jahr lang einen Teil ihres Werkes im „Haus für Diakonie und Kirche“ am Nordermarkt in Meldorf aus.
Wiebke Kühl erzählte am Rande der Vernissage, dass sie zwar schon 25 Jahre lang malt, aber erst zehn Jahre später in die Öffentlichkeit ging – gewachsen aus der Gruppe Nordhastedter Künstler, die lange vor dem „Dithmarscher Kunstgriff“ von Werner Siems ins Rampenlicht geholt wurden. Es habe halt lange gedauert, formulierte das Laudator Christian Pögel jetzt in Meldorf, „bis der Vulkan Wiebke den passenden Ausgang für seine Berufung“ gefunden habe. Er lobte ihre „klare, selbstbewusste Art“ und den „vitalen kraftvollen Duktus“, dem offensichtlich kaum Grenzen gesetzt seien.
Gudrun Wolff-Scheel kam übers Handwerk des Großvaters zur Steinbildhauerei. Schon als Kind stand sie am Schleifstein des Maurers und Zimmermanns. An Kühls Künstlerkollegin schätzt Pögel die „sensible Form ihres schöpferischen Wirkens“. Er macht das daran fest, dass die Bildhauerin Teile des Steines in seiner ursprünglichen Form belässt und aus der heraus das Neue erschafft. Das Ergebnis seien klare, helle, faszinierende, lebendige Plastiken – allesamt Ausdruck Wolffs „zarter Seele und starker Hand“.
Allen Zuschauern – rund 50 Gäste verfolgten die Ausstellungseröffnung – riet er, sich bei diesem „Fest der Sinne“ von den Werken „ansprechen, ansehen und anstoßen“ zu lassen. Und das können die Besucher auf allen Etagen des Wichernhauses, das von den Künstlerinnen für die hellen und großräumigen Ausstellungsflächen ausdrücklich gelobt wurde.
Nach Pögels Lobrede eröffnete Pastor Peter Fenten, kommissarischer Propst, die Kunstausstellung. Er empfahl dem Publikum, sich nun auf die Emotionen der Künstlerinnen einzulassen: „Wie wir eben gehört haben, liegt es an Ihnen selbst, wie sie sie empfinden.“
Die Ausstellung „Bilder und Skulpturen“ ist bis zum 30. Juni montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.
Text und Bild: Birger Bahlo
Eingestellt am 1. Februar 2010