24/12/2025 0 Kommentare
Der Stall von Bethlehem - wahrlich keine warme Weihnachtsstube
Der Stall von Bethlehem - wahrlich keine warme Weihnachtsstube
# Neuigkeiten

Der Stall von Bethlehem - wahrlich keine warme Weihnachtsstube
Dithmarschen - Propst Dr. Andreas Crystall hat für die Dithmarscher Landeszeitung diesen Beitrag zu Heiligabend geschrieben:
Alle Jahre wieder stecken wir in einer weihnachtlichen „Besinnlichkeits-Falle“. Eigene Sehnsüchte treiben uns da rein, und es gibt eigentlich kein Entkommen. Die Weihnachts-Filmchen auf allen Sendern sind Kerzenschein-gefärbt. Leuchtender Schmuck überall schreit nach Mehr Licht für diese Welt, so als würde blinkende Deko die Welt retten. Die allgegenwärtige Musik ist speziell eingängig, anders als sonst, Stimmungen stimulierend. Es duftet auch besser. Und am Heiligen Abend ist alle Welt unterwegs, um irgendwo nach Hause zu kommen: Driving Home für Christmas ist ja kein kitschiges Geschnulze, sondern millionenfache Realität, wir tun es gerade irgendwie alle. Und das finde ich nicht nur legitim, sondern erstrebenswert, diese Zeit macht uns feinsinniger, möglichst etwas friedlicher, Heimat-empfindlicher, dünnhäutiger, sehnsüchtiger, bedürftiger, familiärer. Das ist gut so, es könnte uns schlimmeres passieren, Weihnachten ist eine Kraft, eine Zäsur, eine Chance, alle Jahre wieder.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich liebe all die Besinnlichkeit und den Zauber dieser Zeit, selbst ausgemachten Weihnachts-Kitsch ertrage ich tapfer, und „Tatsächlich Liebe“ anzuschauen ist mir ein Ritual.
Aber diese multiple Besinnlichkeit darf nicht dazu führen, dass uns der weihnachtliche Kern, der uns ja erst in die Sehnsucht treibt, verklärt und gleichsam weggestrahlt wird, so dass wir ihn verlieren, übersehen. Die Geburt Jesu im Stall in Bethlehem war kein Grund für Sentimentalitäten, sondern ein durch und durch sprödes, erschreckendes Ereignis.
Maria war vielleicht 14, sie reiste allein mit einem zweifelhaften Verlobten und war in der Fremde unterwegs. Das Kind kam notgedrungen in einem Viehstall zur Welt, das war wahrlich keine warme Weihnachtsstube. Ochs und Esel ersetzen die Familie, die man so gut hätte gebrauchen können. Fremde kamen ins Haus, deren Geschenke waren nicht praktisch, nein! Die politischen Umstände waren gefährlich, die Familie musste sofort fliehen, das Leben des Kindes war in höchster Gefahr. Es war Armut und ein Elend, man gönnt keinem Kind so einen Start ins Leben. Aber eine radikale Botschaft klingt die ganze Zeit durch: „Fürchtet Euch nicht!“ Selbst diesem Elend ist Gott nicht fern, Gott ist mitten drin, sucht es geradezu, um es zu verwandeln. Der Segen gilt zuallererst den Elenden, die Engel setzen eine Priorität bei großer Armut und schlimmster Verlassenheit. Hier werden die Maßstäbe dieser Welt auf den Kopf gestellt. Und wenn das so ist, dann werden doch meine eigenen kleinen Sehnsüchte gleich mit gestillt und meine ureigensten Ängste werden mit bekämpft in dieser Nacht und in diesem Stall. Besseres kann uns doch auch heute nicht passieren, als dass die Engel uns wie denen sagen: Fürchtet Euch nicht! Und dafür könnte man gern mal zur Besinnung kommen inmitten aller Besinnlichkeit.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten,
Ihr Dithmarscher Propst Dr. Andreas Crystall
Kommentare