Genau dieses Ostern brauchen wir

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Genau dieses Ostern brauchen wir

Genau dieses Ostern brauchen wir - schreibt Propst Dr. Andreas Crystall in seinem Beitrag für die Dithmarscher Landeszeitung / Boyens Medien vom heutigen Tag (4. April 2026) zum Osterfest:

Zwei Männer sind bis zum Grab um ihr Leben gerannt am frühen Ostermorgen, sozusagen. Was ihnen so sehr Beine machte, war es der Tod Jesu, war es eine verwegene Hoffnung, oder die Scham, das eigene Versagen, der eigene Unglaube, das wissen wir nicht. Wir Menschen sind ja immer Mischwesen, was Motive und Antriebe betrifft, vieles ahnen wir höchstens, manches bleibt uns auch vor uns selbst verborgen. Was war geschehen? Jesus wurde am Freitag gekreuzigt, hingerichtet, seine Freunde flohen oder waren schockiert. Er starb gegen 15.00 Uhr. Noch am gleichen Nachmittag wurde er in großer Eile in eine steinerne Grabkammer gelegt. Dann kam der Sabbat mit seiner Ruhe, und der großen Trauer, man verkroch sich in seinem Kummer. Für die rituellen Waschungen und Salbungen des Toten blieb keine Zeit. Am Morgen danach in der frühen Dämmerung ging dann Maria Magdalena zum Grab, wohl um den Leichnam Jesu noch zu salben, aber sie fand das Grab leer. 

Dann kommen die zwei Männer ins Spiel, sie rennen zum Grab, ein handfester Choleriker und ein zögerlich-feiner tiefsinniger Denker. Der eine geht sofort rein ins Grab, der andere bleibt zögerlich davor, obwohl er zuerst ankam. Glauben konnten beide es nicht, der Ostermorgen ist eine Geschichte von Verzweiflung, Erschrecken und Zweifel: Rennen. Gucken. Weglaufen. Es ist alles weder lieblich noch fromm. Die beiden verbliebenen Helden der ganzen Bewegung, die Bedeutsamsten, die spirituellen Leistungsträger, die engsten Freunde, die mit den tiefsten Freundschaftsanteilen, sozusagen die Prominenz geht ab. Und damit die Hoffnung, dass der Tod doch nicht das letzte Wort haben wird über unser Leben und alle seine Widrigkeiten. Es gibt wohl auch doch nicht sowas wie ausgleichende Gerechtigkeit irgendwann…

Da laufen zwei, die sich irgendwie in den tiefsten Tiefen ihres Denkens und Fühlens nicht damit abfinden wollten, dass hier mal Schluss ist, dass diese Welt alles sein soll, vergänglich und vergeblich. Die verstanden haben, wie grausam endgültig diese Realität Tod uns das Leben raubt und die Beziehungen. Sie sind Archetypen für alle, die dann und wann atemlos mal reingucken ins Grab, ins Heil, in die unerkannte Auferstehung - und doch nicht finden, was sie brauchen.

Und irgendwie bin ich echt froh, dass gerade diese beiden da sind, dass sie vorkommen in der Ostergeschichte, österliche Zögerer, Zager, Zweifler, vergeblich breitbeinig, vergeblich tiefsinnig, perfekt in gar nichts, fast Antihelden. Die sind mir viel näher in der Verunsicherung aller Gewissheiten und der Erfahrungen, die uns bestimmen. Und die Helden lassen sich dann doch finden, erleben eine Auferstehung 2.0, ein persönliches Ostern gegen allen Augenschein. 

Ich stelle mich so gern in ihre Erfahrung und in ihren späten Trost hinein, ich möchte glauben, dass es mehr gibt als nur geboren werden, mit dem Leben um die Wette rennen und irgendwann sterben. 

Jenseits aller Folklore ist Ostern ein herbes Fest, es ist trotzig zu feiern und angefochten, ein Lichtschimmer, tapfere Hoffnung gerade angesichts dieser dunkler werdenden Welt. Genau dieses Ostern brauchen wir. 


Foto: Favio / Adobe Stock

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