15/02/2026 0 Kommentare
Steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen: Synode stellt Weichen für die Zukunft
Steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen: Synode stellt Weichen für die Zukunft
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Steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen: Synode stellt Weichen für die Zukunft
Burg / Meldorf – Die Synode des Kirchenkreises Dithmarschen hat am Sonnabend (14. Februar) angesichts steigender Ausgaben und sinkender Einnahmen in gemeinsamer Verantwortung für den gesamten Kirchenkreis mit seinen 29 Kirchengemeinden, Diensten und Werken die Weichen für zukünftige Haushalte neu gestellt. Neben der Senkung von Kosten, wo sinnvoll möglich, und der Steigerung von Einnahmen ging es insbesondere um eine Anpassung der zukünftigen Finanzsatzung. Eine Arbeitsgruppe erarbeitet bereits eine Modernisierung der Finanzsatzung – fixe Verteilschlüssel innerhalb des Kirchenkreises werden dann womöglich der Vergangenheit angehören, stattdessen könnte jedes Jahr durch die Synode flexibel über die Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel entschieden werden. Die Synodalen folgten damit den Vorschlägen der Verwaltungsleiter Torben Lüdke (zugleich Kämmerer) und Nils Schacht.

„Die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung betrifft auch uns als Kirche“, hatte Torben Lüdke zuvor erläutert. Kirchensteuereinnahmen stagnierten nominell und seien real rückläufig. Die Inflation der vergangenen Jahre betreffe auch Kirche als Institution. Bei den Ausgaben machten sich insbesondere wachsende Personalkosten durch Tariferhöhungen bemerkbar sowie steigende Energie- und Gebäudekosten. „Die Kosten steigen leider deutlich stärker als die Einnahmen – die finanziellen Spielräume werden zunehmend enger“, so Lüdke. Hier spielten auch sinkende Mitgliederzahlen hinein. Gehörten 2019 noch knapp 78.000 Dithmarscherinnen und Dithmarscher der evangelischen Kirche an, so seien es derzeit nur noch rund 65.000. „All das stellt uns vor strukturelle Herausforderungen, zumal defizitäre Haushalte künftig nicht mehr durch Rücklagen ausgeglichen werden können“, stellte Lüdke fest. Der Kirchenkreis sei handlungsfähig, Rücklagen bestünden aber nicht unendlich. „Wir schieben keine Panik, aber wir müssen genau jetzt verantwortungsvoll reagieren, um drastische Maßnahmen zu vermeiden.“
Statt radikal Ausgaben zu kürzen, bestehe die Strategie des Kirchenkreises unter anderem darin, mehr Einnahmen zu generieren. Für effizientere und kostensparende Arbeitsabläufe habe der Kirchenkreis in den vergangenen Jahren unter anderem die Regionalisierung in den Kirchspielen vorangetrieben, ein Gemeindemanagement zur Unterstützung der einzelnen Kirchengemeinden eingerichtet, einen Pfarrstellenstrukturplan bis 2030 festgelegt und weitere zentrale Maßnahmen zur finanziellen und organisatorischen Entlastung der Gemeinden umgesetzt. Dazu zählten zum Beispiel die kirchenkreisweit einheitliche IT-Betreuung, die flächendeckende Jugendarbeit, die Einführung digitaler Systeme und vieles mehr. Mit benachbarten Kirchenkreisen würden Synergieeffekte durch Kooperationen in den Bereichen IT, Friedhöfe, Personal, Verwaltung oder etwa Energieeinkauf erzielt. „Dies alles trägt dazu bei, dass wir einen solidarischen Gesamthaushalt ermöglichen und das kirchliche Leben vor Ort in den Gemeinden erhalten können.“
Für das laufende Jahr sei voraussichtlich mit 12,2 Mio. Euro Einnahmen, hauptsächlich aus der Kirchensteuer, zu rechnen. Die Ausgaben belaufen sich auf rund 13,1 Mio. Euro, das planerische Defizit beträgt demnach 0,95 Mio. Euro und soll durch eine Entnahme aus dem Härte- und Ausgleichsfonds des Kirchenkreises gedeckt werden. So haben die Synodalen dies am Ende ihrer Tagung beschlossen, ebenso den Pfarrstellenplan und die Änderung der Finanzsatzung.
Zuvor hatten auf Einladung von Torben Lüdke Vertreterinnen und Vertreter anderer Kirchenkreise ihre jeweilige Zukunftsstrategie in kurzen Impulsvorträgen sowie in einer von Frank Zabel, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Dithmarschen, moderierten Talkrunde vorgestellt. Aus dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg waren Jochen Schultz (Leiter der Dienste und Werke) und Holger Wöltjen (Projektleiter „Expedition Kirche“) nach Burg gekommen. Sie sagten unter anderem: „Die Gestaltung von Kirche muss sich ändern, wie sie es Übrigen immer schon getan hat. Es gehört zum Wesen der Kirche, sich zu reformieren, weil auch die Welt sich verändert.“ So habe man sich in Lübeck-Lauenburg die Frage gestellt, „was wäre, wenn wir uns unseren Kirchenkreis als eine Gemeinde vorstellen würden, statt als 53 Einzelgemeinden wie bisher? Was wäre, wenn diese eine Gemeinde erreichbare Nähe erhalten, neue Aufbrüche und Experimentierräume schaffen kann?“ Die „Expedition Kirche“ sei ein offener Suchprozess, kein fertiges Konzept – „es braucht eine umfassende Problemanalyse, wir müssen aufhören, in Abgrenzungen zu denken und wir müssen und können nicht mehr alles tun, was wir bisher getan haben.“ Kirche müsse es vor allem gelingen, „den Kernauftrag klarer zu kriegen und das dann miteinander umzusetzen“. Und vor allem müsse Kirche am Bedarf der Menschen gestaltet werden.
Esther Ahrent, Verwaltungsleiterin im Kirchenkreis Plön-Segeberg, betonte ebenfalls, dass ein „umfassender Strukturwandel notwendig“ sei. Man müsse den geistlichen Auftrag unter der aktuellen Ressourcenverknappung sichern in Strukturen, „die wir uns leisten können“. Dabei gehe es für ihren Kirchenkreis darum, „weiter in der Fläche präsent zu bleiben“. „Wir müssen agil und flexibel Dinge in Frage stellen, maßgeblich sind dabei die Faktoren Relevanz, Qualität und Nachhaltigkeit sowie Wirtschaftlichkeit“.
Für den Kirchenkreis Hamburg-Ost hatte Matthias König als Leiter der Finanzen insbesondere großstädtische Aspekte dabei: So werde sich die Anzahl von 94 Kirchengemeinden in seinem Kirchenkreis zukünftig voraussichtlich auf sechs reduzieren, die Anzahl der Kirchgebäude werde von 134 auf 25 sinken – alles Reaktionen auf auch hier sinkende Mitgliederzahlen. Prognostiziert sei derzeit für 2040, dass nur noch 15 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger Mitglied der evangelischen Kirche sein werden. Zum Vergleich: In Dithmarschen wird für 2030 eine Quote von 43 Prozent erwartet. „Unser Zukunftsplan 2040 beinhaltet vor allem eine städtische Lösung, die in der Fläche eventuell nicht funktioniert, aber wir können trotzdem voneinander lernen“, so König.
Propst Dr. Andreas Crystall als Vorsitzender des Kirchenkreisrates hatte zuvor in seinem Bericht von „signifikant gestiegenen“ Besucherzahlen in den Weihnachtsgottesdiensten sowie den verschiedenen adventlichen und weihnachtlichen Veranstaltungen berichtet. Es sei ein deutschlandweites Phänomen gewesen, so Dr. Crystall, „dass deutlich mehr Menschen als zuvor in die Weihnachtsgottesdienste kamen, Zeichen einer Sehnsucht, erfreulich, bedenklich, und verpflichtend“. Und im Kontext von Kirchschließungen aufgrund der finanziellen Lage: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass so viele Menschen sich zu uns flüchten und Weihnachten feiern würden, würden wir unsere Kirchen um 30, 50, 80 Prozent reduzieren“.
Vielmehr stelle sich die Frage: „Wie, wo und auf welche Weise können wir, wollen wir Kirche für Menschen sein?“ Als ein Beispiel dafür nannte er die Mohltied-Kirche in Wesselburen: „Menschen sollen sich begegnen können, mehr zueinander finden in diesen Zeiten, in denen alles auseinanderdriftet. Die Kirche ein Begegnungshaus. Gemeinsam essen können. Jesus hat es auch so gemacht. Wir machen lieber Mohltied statt Misere, das ist das mutige Motto. Und 1500 Leute fanden es super.“
Sein zweites Beispiel: Die Einbürgerungsfeier des Kreises Dithmarschen. Als Propst habe er eine kleine Festrede halten dürfen, „weil unsere Diakonie sich sehr um eine gelingende Integration bemüht, seit vielen Jahren und mit so viel Herzblut“. Im Gegensatz zu den nun Eingebürgerten habe er selbst, so Dr. Crystall, nie etwas leisten müssen, um deutscher Staatsbürger zu sein, „ich musste auch nie eine Steuererklärung in lettischer Sprache abgeben oder meinen Führerschein in Kairo nochmal machen, mich und meine Heimat nie neu erfinden – Respekt für all das, was Sie geleistet haben, um deutsche Staatsbürger zu werden!“
Und das dritte Beispiel: eine Trauerfeier. Ein ganzes Dorf sei berührt gewesen davon, wie ungewöhnlich, aber eben auch lebendig, menschlich, nah und mitnehmend der Pastor diese Trauerfeier gestaltet habe – „das war so mutig, so traurig-tröstlich, das ganze Dorf ist berührt, alle erzählen von diesem Abschied, und genau darum machen wir all das hier, Haushalt, Pfarrstellenplan, Gemeindemanagement.“ Denn solche Begleitung machten die Pastorinnen und Pastoren in ganz Dithmarschen jede Woche, „oft mit hoher seelsorgerlicher Kunst und Einfühlung und großer theologischer Kompetenz“. Diese drei Beispiele müsse man sich vor Augen halten, „wenn es heute mal wieder um Geld, Strukturen, Prozesse und Prozente und Prioritäten und Pfarrstellen und Haushalt geht“.
Headerfoto:
von links – Matthias König, Holger Wöltjen, Jochen Schultz, Esther Ahrent, Andreas Hamann und Torben Lüdke bei der Talkrunde.
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